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Dietrich Bonhoeffer in Göttingen


Dietrich Bonhoeffer in Göttingen
Das Bonhoeffer-Haus in Göttingen
Bildurheber: Anita Skiba
Am 4. Februar 1906 wurde Dietrich Bonhoeffer, der christliche Widerstandskämpfer, geboren. Kurz vor Kriegsende wurde er von den Nationalsozialisten im KZ Flossenbürg ermordet. Eine wenig bekannte Verbindung Bonhoeffers zu Göttingen war die Familie seiner Zwillingsschwester Sabine Leibholz. Er hütete 1938 das Haus der zur Emigration gezwungenen Familie einen Monat lang. Während seines Aufenthalts in Göttingen entstand sein Werk "Gemeinsames Leben".


Während des Krieges war der Staatsrechtslehrer Gerhard Leibholz wegen seiner jüdischen Herkunft zunehmenden Repressalien durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Die Familie nutzte mit Hilfe von Dietrich Bonhoeffer und seinem Freund Eberhard Bethge eine der letzten Möglichkeiten, aus Deutschland herauszukommen. In der Zeit, in der die Familie geflohen ist, hüteten Bonhoeffer und Bethge das Haus der Familie. Denn Gerhard Leibholz war mit Bonhoeffers zehn Minuten jüngerer Zwillingsschwester Sabine, der Mutter von Marianne Leibholz, verheiratet. Bonhoeffer war auch Mariannes Patenonkel. Er schrieb 1942 in einem Brief, "Als mein Patenkind ist sie besonders in meinem Herzen und in meinen Gebeten". Marianne Leibholz lebt heute neben ihrem ehemaligen Familienhaus, aus dem sie 1938 mit ihrer Familie fliehen musste.


Dietrich Bonhoeffer und Eberhard Bethge haben die Familie bis nach Gießen bei ihrer Flucht begleitet, sie hüteten anschließend einen Monat lang das Haus, welches dann verkauft wurde. In dieser Zeit habe Bonhoeffer auch belastende Briefe aus dem Haus geschafft und versteckt, sagt Marianne Leibholz.

Nach dem Krieg erhielt die Familie Leibholz ihr Haus in der Herzberger Landstraße 55 zwar zurück, aber ihre Mutter habe dort nicht mehr leben wollen, erwidert Marianne. Ihrer Mutter kam ih ihrem Familienhaus der Gedanke an die Nazi-Zeit wieder. Zwei Brüder der Mutter, Dietrich und Klaus Bonhoeffer, und zwei Schwäger, Hanz von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher, wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Das Haus wurde verkauft. Marianne erzählte, dass ihre Mutter ihren ersten Schlaganfall erlitt, als sie sich beim Lesen alter Briefe aus der Nazizeit zu sehr aufregte.


Als Mariannes Vater Gerhard Leibholz nach dem Krieg wieder Professor in Göttingen wurde und als Bundesverfassungsrichter tätig war, erhielten sie durch einen Zufall ein Haus direkt neben ihren Familienwohnhaus. Noch heute weißt eine Gedenktafel auf das Wirken von Gerhard Leibholz hin. Für Bonhoeffers Bruder Karl-Friedrich, der Direktor des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie war, gibt es auch eine Gedenktafel in Göttingen. Die Schwester von Marianne Leibholz , Christiane, lebt heute in Karlsruhe, wo der Vater als Bundesverfassungsrichter tätig war, und war dort als Klavierlehrerin tätig. Marianne kam nach Göttingen zurück als ihr Vater 1982 starb, um ihre Mutter bis zu deren Tod 1999 zu unterstützen, so kam es, dass sie bis heute neben dem Haus, in dem sie einst ihr Kinderzimmer hatte, wohnt.


Weitere Informationen

Quellenangabe:
Göttinger Tageblatt vom 4. Februar 2006


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